Das jüdische Schulhaus



Geschichte des jüdischen Schulhauses von Mellrichstadt

Ehemals Kapellengasse 139 ½, heute Kapellengasse 3.

1877 beschloss der Stadtrat von Mellrichstadt unter Bürgermeister Morelli den Neubau eines Knabenschulhauses, da das alte zu klein geworden war.

1878 wurde der Verkauf des alten Schulhauses beschlossen.

1881 wurde das alte Knabenschulhaus für 3000 Mark an die jüdische Gemeinde verkauft.
Diese benutzte das Haus danach als jüdisches Schulhaus.

In diesem Schulhaus wurde dreimal in der Woche nachmittags jüdischer Religionsunterricht abgehalten.

Der jeweilige Lehrer hatte im ersten Stock des Hauses seine Wohnung.

1939 diente der jüdischen Gemeinde dieses Schulhaus zum Abhalten der Gottesdienste, da die Synagoge verwüstet und abgerissen worden war.

1939 wurde das Schulhaus ein sog. „Judenhaus“. Das bedeutete, dass jüdische Bürger ihr ehemaliges eigenes Haus in „ arische“ Hände abgeben mussten und danach in einigen wenigen Häusern zusammengepfercht wohnen mussten.

In diesem Schulhaus wohnten danach neben dem letzten Lehrer, Jakob Schloß, noch die vierköpfige Familie Reich – Adolf, Selma, Rosi und Max Reich – die aus Zeitlofs in Mellrichstadt Zuflucht gesucht hatte, außerdem David Nussbaum und seine Frau Luise, Max Friedmann und seine Frau Ida sowie Max Rosenbaum und seine Frau Ida und vorübergehend auch Max Goldbach.

Im Sommer 1939 wurden die Bewohner von Nazis angegriffen und Ida Rosenbaum wurde die Treppe hinuntergestoßen. Dabei erlitt sie einen Schädelbruch, an dem sie am 10. August 1939 verstarb. (siehe Grab Nr. 155).

Lehrer Jakob Schloß verzog im September 1940 nach Frankfurt/Main und nahm sich dort am 06. Dezember 1940 das Leben.
Außer Max Rosenbaum, der 1941 in die USA emigrieren konnte, wurden alle anderen genannten Personen im Jahre 1942 deportiert und ermordet.

1943 erwarb die Stadt Mellrichstadt von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland das ehemalige jüdische Schulhaus für 4074 RM zuzüglich Steuern und Notariatskosten.
Das Haus wurde umgebaut und zwei Vierzimmerwohnungen eingerichtet, die von der Stadt vermietet werden.