Synagoge


Synagoge von Mellrichstadt mit Streubrücke und der Statue des Heiligen Nepomuk.

Bauplan für die Synagoge von Bauzeichner R. Rommel aus Hof, aus dem Jahre 1879/1880.

Die Synagoge von Mellrichstadt.

Blick in den Hof der ehemaligen Synagoge. Im Hintergrund die katholische Stadtpfarrkirche.

Synagoge, Ausschnitt aus einem Gemälde. Dieses befindet sich im Privatbesitz.

Synagoge mit Streubrücke und einem Pferdefuhrwerk.

Heutige Hauptstraße 60, das gelbe Gebäude steht am Platz der ehemaligen Synagoge.

Heutige Hauptstraße 60

Gedenktafel zur ehemaligen Synagoge am Gebäude Hauptstraße 60.

Text auf der Tafel:

Ehemals stand hier an diesem Platz die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde Mellrichstadt. Haß und Willkür zerstörten im Jahre 1938  diese Kultstätte. Zur Erinnerung und zum Gedenken an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger und zur Versöhnung über die Gräber hinaus möge diese Gedenktafel Mahnung sein.


Geschichte der Synagoge von Mellrichstadt

Ehemals Untere Hauptstraße 243, heute Hauptstraße 60.

1873 plante die jüdische Gemeinde wegen der Vergrößerung der Gemeinde nach der Aufhebung des Matrikelparagraphen den Neubau einer Synagoge.

Bis dahin verfügte die Gemeinde über einen Betsaal, der sich im ersten Stock eines Hauses in der Langgasse befand.

Für den geplanten Neubau erwarb die Gemeinde einen Bauplatz am südwestlichen Ende der Stadt.

1874 nahmen einige Gemeindemitglieder wegen der zu erwartenden Kosten für den Neubau ihre Zustimmung zurück.

Allerdings konnten die Bedenken ausgeräumt und am 24. Juli 1874 konnte der Synagogenneubau beschlossen werden.

1876 suchte der Vorstand der jüdischen Gemeinde Levi Stern über das Kgl. Bezirksamt bei der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg um Bewilligung einer Kollekte für den Neubau der Synagoge bei sämtlichen jüdischen Gemeinden des Königreichs Bayern nach.
Der von Bauzeichner R. Rommel aus Hof entworfene Neubau sollte 15.942 Mark und 77 Pfennige kosten.

Die Gemeinde könne alleine diese Kosten nicht aufbringen.
Sie bestehe aus 26 Familien, von denen drei arm seien, acht hätten nur geringe Einkünfte, zwölf seien durchaus wohlhabend, aber nur drei Familien könne man als reich bezeichnen.

Das Bezirksamt leitete das Gesuch an die Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg weiter mit der wohlwollenden Bemerkung über die Verschönerung der Stadt durch eine neue Synagoge am Eingang der Stadt.

1877 erhielt die Kultusgemeinde einen Betrag von 1.272 Mark und 74 Pfennige aus dieser Landeskollekte.

1879 mahnte das Bezirksamt den Neubau an, denn „ der so unschöne Anblick bei der Einfahrt in die Stadt soll beseitigt werden“.

Bauzeichner R. Rommel fertigte einen neuen Bauplan, da der ursprüngliche verloren gegangen war.

Die Regierung forderte allerdings die Festsetzung von Baulinien und riet sogar dazu, einen anderen Bauplatz zu suchen. Der Kultusvorstand Levi Stern bestand allerdings auf dem erworbenen Bauplatz.

1880 gab es Einwände gegen den Baulinienplan, die im Laufe des Jahres ausgeräumt wurden. Wieder verteidigte das Bezirksamt den Bauplatz, der für ein Gotteshaus entsprechend repräsentierend sei und außerdem architektonisch und malerisch eine sehr günstige Wirkung erziele.

In diesem Jahr wurde von Bauzeichner R. Rommel der ursprüngliche Bauplan revidiert und es wurden höhere Fenster eingeplant. Die Synagoge sollte 14 m lang und 11, 5 m breit werden.

Am 31. August 1880 erfolgte unter dem Bauverzeichnis Nr. 107 die Baugenehmigung.

1881 war der Neubau vollendet.
Am 16./17 September 1881 war die feierliche Einweihung durch den Landesrabbiner Dr. Lazarus Adler aus Kassel.
Dieser war am 10. November 1810 in Unsleben (nahe bei Mellrichstadt) geboren und verstarb am 5. Januar 1886 in Wiesbaden.

1938 wurde die Synagoge zerstört.
Am 30. September 1938, noch vor der Reichspogromnacht, erstürmte eine große Menschenmenge die Synagoge, schlug alle Fensterscheiben ein, holte die Gesetzestafeln vom Dachgiebel herunter und verwüstete den gesamten Innenraum und alles Inventar.

Da die Synagoge entweiht war und die mittlerweile stark reduzierte Gemeinde auch nicht mehr finanziell zur Behebung der Schäden in der  Lage war, verkaufte die jüdische Gemeinde dieses geschändete Gebäude am 29. November 1938 für 200 RM an die Stadt Mellrichstadt.

1939 ließ die Stadt Mellrichstadt die Synagoge abreißen und später an dieser Stelle ein Behelfsheim errichten.

Zur Synagoge gehörte eine Scheune, in der der Leichenwagen der Gemeinde untergestellt war. Diese wurde nicht abgerissen, sondern diente zur Aufbewahrung von Futter und Brettern und dergleichen.

1965 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet, das sich dort bis zur Gegenwart befindet.

1988 wurde an dem Wohn- und Geschäftshaus, das im Jahre 1965 an der Stelle der Synagoge errichtet worden war, eine Gedenktafel zur Erinnerung angebracht.