Die jüdischen Soldaten im 1. Weltkrieg


Kriegerdenkmal am Großenberg. Gedenktafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten.

Kriegerdenkmal am Großenberg. Im Vordergrund die Gedenktafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten.


Ende Juli 1914 begann der 1. Weltkrieg. Am 1. August erklärte das Deutsche Kaiserreich Russland den Krieg. Am selben Tag veröffentlichte der „Verband der Deutschen Juden und des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ diesen Aufruf:

„An die deutschen Juden!

In schicksalsernster Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen.
Daß jeder deutsche Jude zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, die die Pflicht erheischt, ist selbstverständlich.
Glaubensgenossen! Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure Kräfte dem Vaterlande zu widmen! Eilet freiwillig zu den Fahnen! Ihr alle – Männer und Frauen – stellet Euch durch persönliche Hilfeleistung jeder Art und durch Hergabe von Geld und Gut in den Dienst des Vaterlandes!“
Diesem Aufruf folgten auch zahlreiche jüdische Männer von Mellrichstadt. Viele von ihnen wurden im Laufe des Krieges für ihren Dienst und ihre Tapferkeit ausgezeichnet.

Die Auszeichnungen:

Eisernes Kreuz 1. Klasse:
Neuberger, Robert

Eisernes Kreuz 2. Klasse:
Adler, Leopold
Adler, Ludwig Friedrich
Blüthe, Oskar
Gottlieb, Sigmund
Katz, Fritz
Lonnerstädter, Siegfried
Mantel, Friedrich
Mantel, Julius
Mantel, Max
Meyer, Fritz I
Meyer, Fritz II
Mussliner, Ludwig
Neuberger, Julius
Neuberger, Karl
Neuberger, Robert
Prager, Guido
Stein, Julius

Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Krone und Schwertern:
Mantel, Friedrich
Mantel, Max.

Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern:
Blüthe, Oskar
Edelmuth, Hugo
Neuberger, Karl
Prager Guido

Militärverdienstkreuz 3. Klasse:
Hellmann, Julius

König Ludwig – Kreuz:
Blum, Adolf
Nußbaum, David

Landwehr Dienstauszeichnung 2. Klasse:
Blum, Adolf
Weinberg, Theodor
Am Ende des Krieges hatte die jüdische Gemeinde von Mellrichstadt elf tote Soldaten zu beklagen:
Geb. 7. Dezember 1883 – Adler, Leopold – gefallen am 20. Mai 1918
Geb. 23. Dezember 1886 – Blum, Ludwig – gefallen am 21. Februar 1917
Geb. 23. Mai 1884 – Hellmann, Julius – gestorben am 2. April 1919
Geb. 1.Mai 1888 – Mantel, Siegfried – gefallen am 18. November 1914
Geb. 6. Februar 1885 – Meyer, Albin – gefallen am 9. Juli 1916
Geb. 18. April 1890 – Neuberger, Max – gefallen am 22. August 1915
Geb. 17. Juli 1896 – Neuberger, Sigmund – gefallen am 10. Oktober 1916
Geb. 23. April 1892 – Neuberger, Moritz – gestorben am 2. Januar 1919
Geb. 6. Mai 1883 – Nußbaum, Sally – vermisst seit 15. Juni 1916
Geb. 1. Juni 1887 – Sacki, Moritz – gefallen am 31. Oktober 1914
Geb. 14. März 1889 – Sacki, Siegfried – vermisst seit 12. August 1918

Samstag, 29. Juli 1922
Die jüdische Gemeinde hatte von der Bildhauerei Halbig eine Tafel aus dunkelgrauem Marmor mit den Namen ihrer elf Kriegsopfer in goldenen Buchstaben fertigen lassen.
Diese wurde in einem feierlichen Gottesdienst in der Synagoge eingeweiht und im Innenraum aufgehängt.

Freitag, 30. September 1938
Nach der Zerstörung der Synagoge brachte der damalige Bürgermeister und Bildhauer Alfons Halbig die Gedenktafel in seine Werkstatt.
Dort entfernte man das Blattgold von den Buchstaben, dadurch wurden die Namen der Gefallenen nahezu unleserlich.

24. August 1950
Im Rahmen des Verfahrens zur Wiedergutmachung erklärte Bürgermeister Halbig bei der Verhandlung in Schweinfurt, dass sich die Gedenktafel aus der Synagoge noch immer in seiner Verwahrung befinde.

1983
Die unleserliche Gedenktafel kam als Ausstellungsobjekt ins neu eingerichtete Heimatmuseum Salzhaus.

Volkstrauertag 1958
Bürgermeister Alfons Halbig ließ für die Gefallenen der beiden Weltkriege ein neues Kriegerehrenmal am Großenberg errichten.
Es fehlten allerdings die Namen der jüdischen Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg.

1959
Erst, nachdem ein Ratsmitglied auf das Fehlen dieser Namen aufmerksam gemacht hatte, wurden sie auf einer Extratafel am Kriegerehrenmal ergänzt.