Robert Rothschild – ein ehemaliger jüdischer Bürger von Mellrichstadt


Elternhaus Robert Rothschild
Mellrichstadt Marktplatz um 1900, Haus Raph Neuberger (Raphael Neuberger war der Großvater von Robert Rothschild),  heute Marktplatz 3, ist das Elternhaus von Robert Rothschild.
rechts Elternhaus Robert Rothschild
Mellrichstadt um 1910.
Blick durch die Hauptstraße auf das Elternhaus von Robert Rothschild, rechts ein Teil des Hauses sichtbar, Raph Neuberger.
Robert Rotschild, 14 Jahre alt, geb. 15. Januar 1924. In diesem Alter kam er in das KZ Buchenwald.
Eingangstor zum KZ Buchenwald
Eingangstor zum KZ Buchenwald.
Inschrift Jedem das Seine am Eingangstor zum KZ Buchenwald
Inschrift – JEDEM DAS SEINE – am Eingangstor zum KZ Buchenwald.
Robert und Gerry Rothschild
Robert Rothschild mit seinem Sohn Gerry im Juli 2000 vor dem Elternhaus Marktplatz 3.

Geburt in Mellrichstadt

Robert Rothschild wurde am 15. Januar 1924 in Mellrichstadt im Haus am Marktplatz Nr. 299, der heutigen Nr. 3, geboren.
Seine Eltern waren Willi und Jette Rothschild, geb. Neuberger.
Willi Rothschild stammte aus Zella-Mehlis, Jette Neuberger war in Mellrichstadt in eben diesem Haus am Marktplatz geboren worden.

Robert hatte noch einen älteren Bruder, Siegfried. Der war am 7. August 1922 zur Welt
gekommen.

Gymnasium in Bad Neustadt

Die beiden Brüder besuchten vier Jahre die Volksschule in Mellrichstadt und gingen danach an das Gymnasium in Bad Neustadt.
Weil sie jüdische Schüler waren, mussten sie aber 1937 das Gymnasium verlassen.

Da jüdische Kinder auch die Regelschule in Mellrichstadt nicht mehr besuchen durften, beendete Robert seine Schulzeit an der jüdischen Volksschule in Unsleben. Sein Bruder begann eine Schlosserlehre.

Schneiderlehre in Zella-Mehlis

Nach dem Ende seiner Schulpflicht begann Robert eine Schneiderlehre bei seinem Onkel David Rothschild, einem Bruder seines Vaters, in Zella-Mehlis.

Inhaftierung im KZ Buchenwald

In Zella-Mehlis wurde der 14jährige Robert während der Reichspogromnacht im November 1938 verhaftet, er kam ins KZ Buchenwald.
Er ahnte nichts davon, dass sein Vater zur selben Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert war. Der war zu einer Haftstrafe verurteilt worden, da er Opfer einer üblen Denunziation geworden war.
Im KZ begegneten sich Vater und Sohn nicht.

Die traumatischen Erlebnisse in Buchenwald hat Robert nie vergessen, er hat sie niedergeschrieben und später in den USA in Vorträgen davon berichtet (siehe den Text: „My ten days in Buchenwald“).

Emigration nach London

Nach der Entlassung aus dem KZ Buchenwald schaffte es seine Mutter, Robert ins rettende Ausland zu bringen. Er verließ Mellrichstadt am 1. Februar 1939 und emigrierte nach London.
Dort lebte ein Onkel seiner Mutter – der trug die Kosten für die Ausreise und nahm ihn bei sich auf. In London erlernte Robert den Beruf des Konditors.

Auch die in Mellrichstadt zurückgebliebenen Eltern und sein Bruder Siegfried konnten ihr Leben retten – sie emigrierten im Mai 1941 nach New York.

Familienzusammenführung in New York

Im März 1947 verließ Robert London und zog nach New York, da seine Mutter die Familie wieder vereinen wollte.

Heirat in New York

Im Mai 1948 heiratete er in New York Susan Heimann. Beide hatten sich in London kennen gelernt. Susan Heimann war mit ihren Eltern und ihrer Schwester 1939 aus Beuthen in Oberschlesien nach London emigriert.
Die beiden bekamen zwei Kinder, Karen und Gerry.

Robert Rothschild eröffnete in New York eine Konditorei und führte diese zusammen mit seiner Frau Susan über viele Jahre.
Später übernahm er eine Firma, die Präsentationsmaterial für Schmuck herstellte.

Studium der Geschichte

Als er das Rentenalter erreicht und das Geschäft abgegeben hatte, erfüllte er sich einen Traum, der ihm in seiner Kindheit und Jugend verwehrt worden war: Er studierte Geschichte und beendete das Studium mit einem Bachelor–Abschluss.

Besuch in der alten Heimat Mellrichstadt

Wegen der traumatischen Erlebnisse in seiner Jugend in Deutschland konnte und wollte Robert Rothschild eigentlich nie wieder deutschen Boden betreten.
Im Juli 2000 wagte er dennoch die Reise und kam in Begleitung seiner Ehefrau Susan, seines Sohns Gerry und seiner Schwiegertochter Karen nach Mellrichstadt.
Mit ihnen besuchte er die Gräber seiner Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof, besichtigte sein Elternhaus und ging durch die Gassen der Stadt seiner Kindheit.

Tod in New York

Nur wenige Monate nach seiner Deutschlandreise erlag Robert Rothschild in New York einem Krebsleiden.
Er starb am 27. Juni 2001 in New York im Alter von 77 Jahren.

Lebensmotto

Anderen Menschen helfen – das war das Motto seines gesamten Lebens.